Direkt zum Inhalt

Schwerbehindertenausweis beantragen

Sie lesen in Leichter Sprache.
Ein Computer hat diesen Text in
Leichte Sprache übertragen.

Menschen mit Beeinträchtigungen können diesen Antrag stellen:

Antrag auf Feststellung einer Behinderung.

Man muss den Antrag stellen beim Versorgungs-Amt.

Und in einigen Bundes-Ländern bei anderen Ämtern.

Zum Beispiel beim Sozial-Amt.

  Versorgungsamt Symbolbild

Versorgungs-Amt bedeutet: Dort arbeiten viele Fach-Leute.

Sie kennen sich gut aus mit dem Thema Behinderung.

Beratungs-Stellen

Diese Beratungs-Stellen helfen dabei, den Antrag richtig auszufüllen:

  • Die zuständige Behörde.
  • Behinderten-Verbände oder Sozial-Verbände.
    Behinderten-Verbände vertreten die Interessen von Menschen mit Behinderungen.
    Sozial-Verbände setzen sich für benachteiligte Menschen ein.
    Zum Beispiel für Menschen mit wenig Geld.
  • Die betriebliche Schwer-Behinderten-Vertretung
  • Die EUTB: Ergänzende unabhängige Teilhabe-Beratung

   Symbolbild: Beratungsgespräch bei einer Behindertenbeauftragten

Hinweis: Unternehmen sind nicht am Feststellungs-Verfahren beteiligt.

Sie können auch keinen Antrag stellen für ihre Beschäftigten.

Schritt für Schritt zum Antrag

Sie bekommen den Antrag beim zuständigen Amt.

Sie finden den Antrag auch auf der Internet-Seite.

Fügen Sie dem Antrag diese Unterlagen hinzu:

  • Die Befunde aller behandelnden Ärzte und Ärztinnen:
    Befreien Sie die Ärzte und Ärztinnen von der Schweige-Pflicht.
    Schweige-Pflicht bedeutet:
    Ärzte und Ärztinnen dürfen keine Infos zu Ihrer Gesundheit weitergeben.

     Arztgespräch Symbolbild

  • Infos über bereits gestellte Anträge bei anderen Leistungs-Trägern:
    Zum Beispiel: Bescheide von Arbeits-Unfällen oder Berufs-Krankheiten.

Weitere Schritte sind:

Füllen Sie diese Tabelle aus: Gesundheits-Störungen.

Schreiben Sie Ihre Einschränkungen in die Tabelle.

Und kreuzen alles an, was auf Sie zutrifft.

Fragebogen Symbolbild

Reichen Sie nur den vollständig ausgefüllten Antrag ein.

Wichtig: Unterschreiben Sie den Antrag!

   Unterschrift Symbolbild

Fügen Sie alle notwendigen Unterlagen hinzu.

Kopieren Sie den Antrag für Ihre eigenen Unterlagen.

Wie läuft das Feststellungs-Verfahren ab?

Eine Behinderung kann verschieden schwer sein.

  Symbolbild: Unterschiedliche Arten von Behinderungen

Wie schwer eine Behinderung ist: Das bestimmt das Versorgungs-Amt.

Versorgungsamt Symbolbild

Dort sagt man: Grad der Behinderung.

Die Abkürzung lautet: GdB.

Für den Grad der Behinderung nutzt man Zahlen:

Die Grade der Behinderung gehen von: 20 bis 100.

20 bedeutet: eine leichte Behinderung.

100 bedeutet: eine schwere Behinderung.

Man hat eine anerkannte Behinderung: mit einem GdB ab 30.

Man hat eine anerkannte Schwer-Behinderung:

mit einem GdB zwischen 50 bis 100.

Man bekommt dann einen Schwer-Behinderten-Ausweis:

Schwerbehindertenausweis Symbolbild

Man bekommt mit dem Ausweis besondere Leistungen.

Zum Beispiel: mehr Urlaubs-Tage.

Man kann öffentliche Verkehrs-Mittel kostenlos nutzen.

Linienbus Symbolbild

So lange dauert die Bearbeitung vom Antrag

Es steht im Gesetz: Der Antrag muss in höchstens 4 Wochen bearbeitet sein.

Man bearbeitet den Antrag schneller: Wenn Sie eine Arbeits-Stelle haben.

Schreiben Sie Ihre Arbeits-Stelle deshalb in den Antrag.

Minderung der Erwerbs-Fähigkeit

Minderung der Erwerbs-Fähigkeit bedeutet:

Man kann nicht mehr vollständig arbeiten.

Die Abkürzung lautet: MdE.

Man stellt die MdE zum Beispiel fest durch eine gerichtliche Entscheidung. Das Versorgungs-Amt übernimmt die schon festgestellte MdE.

Und stellt den Grad der Behinderung fest.

Eine andere Feststellung gibt es nur:

Wenn die Behinderung sich verschlimmert hat.

Wie lange ist der Schwer-Behinderten-Ausweis gültig?

Der Ausweis ist höchstens 5 Jahre gültig.

Der Ausweis ist nur dann für immer gültig:

Wenn die Beeinträchtigungen gleich-bleiben oder sich verschlimmern.

Schwerbehindertenausweis Symbolbild

Was Sie tun können bei einem GdB unter 50

Bei einem GdB von 20 bis 50: Man bekommt einen Feststellungs-Bescheid.

Aber keinen Schwer-Behinderten-Ausweis.

Bei einem GdB von 30 oder 40:  Man kann die Gleichstellung

mit schwer-behinderten Menschen beantragen.

Man beantragt die Gleichstellung bei der Agentur für Arbeit.

Man hat damit die gleichen Rechte wie schwer-behinderte Menschen.

Widerspruch gegen den Feststellungs-Bescheid

Man kann dem festgestellten Grad der Behinderung widersprechen.

Als Widerspruch genügt ein Brief an das Versorgungs-Amt.

Brief Symbolbild

Eine Begründung ist im ersten Brief nicht erforderlich.

Man kann die Begründung später schreiben.

Bitten Sie das Versorgungs-Amt auch um alle eingereichten Unterlagen.

Sie brauchen den Feststellungs-Bescheid und die angeforderten Unterlagen: Um mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin die Feststellung zu überprüfen.

Der Arzt oder die Ärztin kann einen Hinweis darauf geben:

Welche Beeinträchtigungen man nicht genügend berücksichtigt hat.

Arztgespräch Symbolbild

Widerspruchs-Frist

Die Frist beginnt: Wenn Sie den Feststellungs-Bescheid bekommen.

Sie können bis zu 4 Wochen lang Widerspruch einlegen.

Danach gilt der festgestellte Grad der Behinderung.

Hast du schon mal darüber nachgedacht einen Schwerbehindertenausweis zu beantragen? Nein? Kein Problem! Hier zeigen wir dir, was eine Schwerbehinderung ist und welche Vor- und Nachteile ein Schwerbehindertenausweis mit sich bringt. Wichtig ist: Am Ende triffst du die Entscheidung ganz allein für dich. 

KI-generiertes Bild: ein Junge stellt einen Antrag Das Bild wurde von einer KI erstellt. KI-generiertes Bild: ein Junge stellt einen Antrag Das Bild wurde von einer KI erstellt.

Was ist eine Schwerbehinderung?

Vermutlich sind dir die Begriffe Behinderung, Schwerbehinderung und vielleicht sogar Gleichstellung schon einmal begegnet. Obwohl sie ähnlich klingen, unterscheiden sie sich doch in einigen Punkten. Im nächsten Schritt zeigen wir dir, was die einzelnen Begriffe bedeuten.

Behinderung

Laut Gesetz haben Menschen eine Behinderung, wenn sie länger als sechs Monate gesundheitliche Probleme haben und ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft eingeschränkt ist. Dabei kann es sich um körperliche, geistige oder psychische Probleme handeln.

Schwerbehinderung

Schwerbehindert sind Menschen, bei denen das Versorgungsamt einen Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 50 feststellt. Wenn du einen GdB von 50 und mehr hast, kannst du einen Schwerbehindertenausweis beantragen. Der Grad der Behinderung sagt aber nichts über deine Leistungsfähigkeit aus.

Wusstest du?

Circa drei Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter in Deutschland haben einen Schwerbehindertenausweis (Stand: Juni 2022).

Gleichstellung

Wenn du einen Grad der Behinderung von 30 oder 40 erhältst, hast du keinen Anspruch auf einen Schwerbehindertenausweis. Trotzdem kann es sein, dass du wegen deiner Behinderung Schwierigkeiten hast deinen Arbeitsplatz zu halten oder einen zu bekommen. Dann kannst du eine Gleichstellung bei der Agentur für Arbeit beantragen. Dadurch erhältst du einige Rechte und Ansprüche, die deine Arbeit erleichtern können. Weitere Informationen findest du weiter unten.

Wie beantrage ich einen Schwerbehindertenausweis?

Wie du oben schon gelesen hast, benötigst du einen Grad der Behinderung (GdB) von 50 oder mehr, um einen Schwerbehindertenausweis zu beantragen. Um einen Grad der Behinderung zu erlangen, musst du einen Antrag bei deinem Versorgungsamt oder der Kommunalverwaltung vor Ort stellen. Eine Antragstellung ist kostenfrei. Das Antragsformular gibt's beim Versorgungsamt vor Ort oder hier direkt online:

Der Grad der Behinderung (GdB)

Video: Der Grad der Behinderung (GdB)

Checkliste für deinen Antrag auf einen Grad der Behinderung

Im Antragsformular stellst du deine Erkrankungen dar. Füge deshalb Arztberichte und weitere medizinische Unterlagen an. Das Versorgungsamt zieht diese hinzu, wenn die sonstigen eingereichten Unterlagen nicht ausreichen, um einen GdB feststellen zu können.

Wenn die zuständige Stelle deinen Antrag erhalten hat, wird dieser unter Beteiligung von ärztlichem Fachpersonal geprüft. Wie lange das Feststellungsverfahren dauert, ist unter anderem von deinen eingereichten Unterlagen abhängig. Deshalb ist es sehr wichtig, dass du gewissenhaft vorgehst. Außerdem entscheiden die Gutachterinnen und Gutachter, ob sie deine behandelnden Ärzte und Ärztinnen kontaktieren, um eine medizinische Einschätzung einzuholen.

Die Vor- und Nachteile eines Schwerbehindertenausweises

Wenn du nun deinen Schwerbehindertenausweis besitzt, gelten besondere Regelungen für dich. Diese sollen Nachteile ausgleichen, die durch deine Behinderung entstehen. Das ist sehr wichtig, denn sie bieten dir einen gewissen Schutz am Arbeitsplatz. Sie sind im dritten Teil des Neunten Sozialgesetzbuches (SGB IX) festgelegt. Hast du dich gegen einen Antrag auf einen Grad der Behinderung (GdB) entschieden oder bist dir noch unsicher? Auch das ist okay. Um dir die Entscheidung etwas zu erleichtern haben wir die Vor- und Nachteile gegenübergestellt.

Die Vorteile eines Schwerbehindertenausweises

Wenn du besondere Unterstützung brauchst und auch nach der Ausbildung auf Hilfe angewiesen bist, ist ein Ausweis gut für dich. Die wichtigsten Möglichkeiten, die du nur mit einem Schwerbehindertenausweis nutzen kannst, sind folgende:

  • Unterstützung durch den Integrationsfachdienst
  • Begleitende Hilfe vom Integrationsamt bzw. Inklusionsamt
  • Besonderer Kündigungsschutz
  • Steuerliche Vorteile
  • Zusatzurlaub in Ausbildung und Arbeit

Die Nachteile eines Schwerbehindertenausweises

Obwohl der Grad der Behinderung nichts über deine Leistungsfähigkeit aussagt, sehen einige Unternehmen dies kritisch. Leider wird der besondere Kündigungsschutz manchmal als „unkündbar“ ausgelegt, obwohl dies nachweislich nicht der Fall ist. 

Dass es sich dabei um Vorurteile handelt, beweisen viele gute Beispiele: Unternehmen, die schon Erfahrungen haben, wissen, dass Auszubildende mit einer Behinderung meist motivierter und leistungsbereiter sind und dass sie keine längeren Fehlzeiten vorweisen als Azubis ohne Behinderung.