Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Angaben zum Praxisbeispiel

Arbeitsplatzgestaltung für zwei Mitarbeiter bei einem Kunststoff-Rohrhersteller

Arbeitgeber:

Die Firma stellt mit ihren 319 Mitarbeitern Kunststoffrohre und Systeme für die Trinkwasser- und Heizungsinstallation her.

1. Schwerbehinderter Mitarbeiter


Behinderung und Funktionseinschränkung:

Der Mann hat eine geistige Behinderung, weshalb er komplexe Sachverhalte nur schwer verstehen kann. Der GdB (Grad der Behinderung) beträgt 50.

Ausbildung und Beruf:

Der Mitarbeiter hat keinen Beruf erlernt. Er arbeitet seit 12 Jahren als Produktionshelfer bei seinem Arbeitgeber.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Istzustand):

Der Mitarbeiter packt Elemente für Fußbodenheizungssysteme in Kartons und stapelt diese nach dem Umwickeln mit Stretchfolie auf Flachpaletten ab. Das manuelle Aufstapeln der bis zu 15 kg schweren und recht sperrigen Kartons (bis zu drei Stück) ist sehr belastend und erfordert Hochreichbewegungen bis in den Überkopfbereich sowie häufige Bückbewegungen. Durch eine Automatisierung des Einpack- und Stretchvorganges entfallen Tätigkeitsbereiche an diesem Arbeitsplatz, so dass sich ein neuer Arbeitsablauf mit zum Teil neuen Arbeitsgängen ergibt.

2. Schwerbehinderter Mitarbeiter


Behinderung und Funktionseinschränkung:

Der Mann hat rechtsseitig eine Arm- und eine Fußbehinderung. Außerdem hat er eine Rückenerkrankung mit daraus resultierendem Schulter-Arm-Syndrom. Behinderungsbedingt kann er weder Arbeiten ausführen die häufiges Gehen oder Stehen erfordern, noch kann er körperlich anstrengende Hebe- oder Tragearbeiten verrichten. Außerdem ist seine Beweglichkeit durch die Behinderungen stark eingeschränkt. Der Grad seiner Behinderung beträgt 50 (GdB 50).

Ausbildung und Beruf:

Der Mitarbeiter ist gelernter Bauzeichner. Er arbeitet seit 12 Jahren als Lagerarbeiter und Gabelstaplerfahrer bei seinem Arbeitgeber.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Istzustand):

Der Mitarbeiter kann seit einiger Zeit die körperlich schwere Arbeit im Lager nicht mehr verrichten. Er fährt deshalb überwiegend den Gabelstapler im Lagerbereich. Mit Hilfe des Gabelstaplers lagert er die bis zu 1500 kg schweren Trommeln mit Kunststoffrohren in bis zu 6, 5 m hohe Regale ein. Diese Arbeit fällt ihm aber wegen seiner Bewegungseinschränkungen zunehmend schwer, so dass der Mitarbeiter nicht mehr als Gabelstaplerfahrer eingesetzt werden kann.

3. Schwerbehinderter Mitarbeiter


Behinderung und Funktionseinschränkung:

Der Mann hat ebenfalls eine Rückenerkrankung und eine Gelenkschädigung der Kniegelenke. Außerdem hat er Asthma und eine chronische Darmerkrankung. Die Behinderungen an Rücken und Knie erfordern von dem Mitarbeiter eine Vermeidung von schweren Hebe- und Tragearbeiten sowie längerem Gehen oder Stehen. Das Asthma schränkt ihn zusätzlich in seiner körperlichen Belastbarkeit ein und die Darmerkrankung erlaubt ihm nur seltenes Bücken. Der Grad seiner Behinderung beträgt 80 (GdB 80).

Ausbildung und Beruf:

Der Mitarbeiter ist gelernter Elektroinstallateur und arbeitet seit fünf Jahren als Maschinenführer bei seinem Arbeitgeber.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Istzustand):

Der Mitarbeiter arbeitet als Maschinenführer im Dreischichtbetrieb. Die Überwachung der über eine große Fläche verteilten Produktionsanlagen erfordert ein ständiges Stehen und Gehen, da nur bei laufenden Kontrollgängen rechtzeitig Störungen im Fertigungsablauf erkennbar sind. Kleinere Störungen werden von den Bedienern selbst behoben. Hierzu muss oftmals auf die Maschine gestiegen oder in die Anlage hineingeklettert werden. Beim Austausch von defekten Teilen fallen unter Umständen schwere körperliche Arbeiten an. Diese Arbeiten und der zusätzlich durch Zeitdruck hervorgerufene Stress sind gerade für einen Asthmatiker außerordentlich stark belastende Faktoren, so dass eine Versetzung an einen geeigneteren Arbeitsplatz erforderlich ist.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Sollzustand):

Die drei Mitarbeiter wurden an einen für sie neu gestalteten Arbeitsplatz versetzt, wo sie im Dreischichtbetrieb die maschinell in Stretchfolie verpackten Kartons übernehmen und einlagern. Automatisiert werden die Kartons mit den Fußbodenelementen auf eine motorgetriebene Rollenbahn aufgelegt und durch den sog. 'Schrumpftunnel' transportiert. Über eine weitere Rollenbahn gelangen die in Stretchfolie verpackten Kartons danach in den Lagerbereich einer angrenzenden Halle. Hier werden sie von den Mitarbeitern mit Hilfe eines Handhabungsgerätes (Balancer) abgenommen und bis zu dreifach übereinander auf Flachpaletten gestapelt. Den Abtransport und das Einlagern dieser Paletten erledigen die Männer mit einem Gabelhubwagen.
Um den Mitarbeitern die Tätigkeit an diesem Arbeitsplatz überhaupt zu ermöglichen, wurden Rollenbahnen vor dem Schrumpftunnel (zum Auflegen der Kartons) und eine Handhabungsvorrichtung (zum Stapeln der Kartons) am Ende der Rollenbahn des Lagers installiert. Für das Auflegen der auf Flachpaletten bereitgestellten Kartons vor dem Schrumpftunnel wurde eine vollautomatisch arbeitende Anlage installiert, die auch den Abtransport der leeren Paletten zum Lagerbereich übernimmt. Die Anlage für das Aufstapeln der eingeschrumpften Kartons wird manuell bedient. Für die Bereitstellung, den Abtransport und die Einlagerung der bestückten Flachpaletten wurde ein Elektrogabelstapler angeschafft. Durch den Einsatz der aufgeführten technischen Hilfsmittel entfällt für die drei Mitarbeiter das Heben und Tragen von Lasten.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:


Förderung:

Die behinderungsgerechte Gestaltung wurde von dem Integrationsamt zu 80 % gefördert.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Telefon-Nummern der Integrationsämter.



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  • ERGOS - statisches/dynamisches Heben /
  • IMBA - Arbeitsplanung /
  • IMBA - Arbeitszeit /
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Referenznummer:

R/PB5176



Informationsstand: 02.03.2007