Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Angaben zum Praxisbeispiel

Produktionshelfer bei einem Hersteller von Kunststoffteilen

Unternehmen:

Der Familien- und Kleinbetrieb ist im Industriegebiet einer ländlichen Gegend ansässig und beschäftigt 16 Personen. Die Produktion umfasst hauptsächlich die Herstellung von Kunststoffteilen. Darüber hinaus werden in einer räumlich abgetrennten Werkzeugmacherei Spritzformen für die eigenen CNC-gesteuerten Kunststoffspritzgussmaschinen hergestellt. Bei Großaufträgen werden die Spritzformen vom beauftragenden Unternehmen gestellt.

Kommentar des Betriebsinhabers zur beruflichen Inklusion des Mitarbeiters:

Der Betriebsinhaber ist mit den Leistungen des Mitarbeiters mit Behinderung sehr zufrieden, da er ist sehr genau, pünktlich und zuverlässig ist. Anfangs benötigte der Mitarbeiter eine erheblich längere Einarbeitungszeit von einem Jahr als die anderen Beschäftigten ohne Behinderung. Darüber hinaus vermeidet er das Treffen von Entscheidungen. Da aber die auszuführenden Tätigkeiten sich oft wiederholen und gleichbleibende Anforderungen aufweisen, konnte er an eine selbständige Arbeitsweise gewöhnt werden. Er ist nun wie die anderen Beschäftigten in der Produktion an jedem Maschinenarbeitsplatz innerhalb der Abteilung einsetzbar und hat ein gutes Verhältnis zu seinen Kolleginnen und Kollegen.

Behinderung und Funktionseinschränkung des Mitarbeiters:

Der Mann hat eine Lernbeeinträchtigung und Schwierigkeiten beim Lernen, Merken und Entscheidungen zu treffen. Er benötigt mehr Zeit, um Zusammenhänge zu verstehen und zu erkennen. Es ist wichtig für ihn, klare, eindeutige und nicht zu komplexe Arbeitsanweisungen zu erhalten.

Ausbildung und Beruf:

Der Mann wurde im Berufsbildungswerk (BBW) zum Fachpraktiker für Holzverarbeitung ausgebildet. Nach der Ausbildung konnte er mit Hilfe des Berufsbildungswerkes in seinem erlernten Beruf eine Arbeitsstelle finden. Er kündigte die Arbeitsstelle aber kurze Zeit später, da das Betriebsklima schlecht und das Arbeitsverhältnis zu seinem direkten Vorgesetzten gestört war. Im Anschluss war er arbeitslos, bis sein Vater ihn an einen ehemaligen Schulfreund, den heutigen Arbeitgeber, als Produktionshelfer vermittelte.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

In der Produktion sind ausschließlich angelernte Hilfskräfte tätig, mit Ausnahme des Betriebsinhabers bzw. Meisters und eines qualifizierten Facharbeiters, die bei Produktionswechsel die Maschinen neu einrichten oder Fehlfunktionen während des Produktionsprozesses beseitigen. In der ca. 150 Quadratmeter großen und ausreichend beleuchteten Fertigungshalle sind sieben CNC-gesteuerte Kunststoffspritzgussmaschinen angeordnet. Die Maschinen sind teilweise mit pneumatisch betriebenen Greifeinrichtungen ausgerüstet, welche die Spritzgussteile aus der Spritzform entnehmen und auf Förderbänder ablegen.
Die Tätigkeit des Produktionshelfers besteht aus dem Befüllen der Spritzgussmaschinen mit Rohmaterial, der Entnahme der Spritzgussteile vom Förderband, die visuelle und taktile Oberflächenkontrolle der Spritzgussteile und das geordnete Verpacken in Kartons. Je nach Arbeitsauftrag oder Maschinenart müssen Teile mit der Hand montiert, Spritzgussreste entfernt oder Spritzgussteile mit der Hand aus der Spritzgussform entnommen werden. Fehlerhafte Teile werden nach dem Aussortieren in einer Maschine zerkleinert und dem Produktionsprozess als Rohmaterial wieder zugeführt.
In Abhängigkeit von der Maschinentaktzeit und dem Arbeitsauftrag werden pro Person auch zwei Maschinen parallel bedient. Zwischen den Tätigkeiten an den Maschinen kann gegebenenfalls noch ein Aussortierungsvorgang verschiedener Kleinspritzteile und deren Verpacken in Kartons geschaltet sein. Außerdem nimmt der Produktionshelfer kleine Einstellungen an den Spritzgussmaschinen wie z. B. die Regelung des Spritzdrucks und des Wasseranteils vor. Bei größeren Störungen, z. B. der Verstopfung der Spritzdüse, benachrichtigt er den Meister oder Facharbeiter.

Förderung und Mitwirkung:

Die Ausbildung im Berufsbildungswerk wurde von der Arbeitsagentur gefördert. Außerdem förderte die Arbeitsagentur mit einem Eingliederungs- bzw. Lohnkostenzuschuss die Einstellung des Mitarbeiters.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.-Nummern der Arbeitsagenturen und von Berufsbildungswerken, die als Einrichtungen zur beruflichen Rehabilitation Menschen mit Behinderung ausbilden.



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Referenznummer:

R/PB2024



Informationsstand: 14.01.2021