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Hörtechnische Qualifizierung / Grundqualifizierung

Zwei Frauen unterhalten sich in Gebärdensprache
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(kn) Eine hörtechnische Qualifizierung - auch hörtechnische Grundqualifizierung oder Grundausbildung genannt - ist ein Angebot für hörbehinderte Menschen, um sich besser mit Hörenden verständigen zu können.

Zielgruppen sind Menschen, die in der Regel bereits berufstätig waren, z. B.

  • Menschen, die wegen einer aufgetretenen Hörbehinderung ihre berufliche Tätigkeit nicht mehr ausüben können und sich neu orientieren und qualifizieren müssen
  • Menschen mit Hörbehinderung, die Schwierigkeiten haben, einen Arbeitsplatz zu finden
  • Menschen, bei denen eine Hörbehinderung aufgetreten ist und die in Gefahr sind, deshalb ihren Arbeitsplatz zu verlieren

Hörtechnische Grundqualifizierung als Bestandteil von IBRH

Die hörtechnische Qualifizierung oder Grundqualifizierung wird meistens als Bestandteil der beruflichen Reha-Maßnahme Integrative Berufliche Rehabilitation von Personen mit Hörbehinderung = IBRH durchgeführt.

IBRH ist ein Modellprojekt, an dem sich einige Berufsförderungswerke beteiligen, die auf Hörbehinderung spezialisiert sind.

Ziel der hörtechnischen Grundqualifizierung (im Rahmen von IBRH)

Vier Hände stecken vier blaue Puzzle zusammen
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Ziel ist es, das vorhandene Sprachvermögen der Teilnehmer/innen zu stärken und Strategien zu lernen, um sich mit Hörenden möglichst gut zu verständigen. Jeder Teilnehmer soll die Hörtaktik herausfinden mit der er persönlich am besten sowohl am Arbeitsplatz wie auch während einer beruflichen Qualifizierung mit Hörenden kommunizieren kann. 

Wie kommt man in die Maßnahme IBRH?

Eine Voraussetzung für die Teilnahme ist, dass man nicht von Geburt an hörbehindert war, sondern sprechen gelernt hat und durch ein Hörgerät oder Cochleaimplantat noch ein Resthörvermögen vorhanden ist.

Bei einem Beratungsgespräch mit dem Anbieter wird festgestellt, ob die Einrichtung die richtige ist, um beim Problem zu helfen, das aus der Hörbehinderung entstanden ist.

Falls ja, geht es in ein vierwöchiges sogenanntes RehaAssessment. Ungefähr vier Wochen lang wird getestet, welche berufliche Perspektiven es für die Teilnehmer gibt und welches Berufsfeld das richtige sein kann.

Wenn das Reha-Assessment ergibt, dass eine berufliche Qualifizierungsmaßnahme gemacht werden soll, wird abgeklärt was dabei besonders berücksichtigt werden muss: z. B. ob mehr Zeit fürs Lernen, technische Hilfen oder Gebärdensprachdolmetscher/innen gebraucht werden. Die Art und  Dauer der Anschlussmaßnahme muss individuell mit dem Kostenträger abgestimmt werden, der für die Teilnehmerin / den Teilnehmer in seiner jeweiligen Situation zuständig ist.

Anschließend beginnt die Hörtechnische Grundqualifizierung.

Anbieter:

Es gibt nur wenige Anbieter von hörtechnischen Qualifizierungen. Man findet sie rechts oben in der Infobox "Schnell finden".

Was macht man in der hörtechnischen Grundqualifizierung (im Rahmen von IBRH)?

Vier Hände stecken vier blaue Puzzle zusammen
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Die hörtechnische Grundqualifizierung dauert sechs Monate. In den ersten drei Monaten sind die Hörbehinderten unter sich und trainieren Sprechen, Lesen und Schreiben. Sie lernen, vom Mund abzulesen, ihr Hörgerät oder Cochleaimplantat optimal zu nutzen, eine Hörtaktik anzuwenden (sich beispielsweise so zu platzieren, dass sie die Gestik und Mimik des Gegenübers gut interpretieren können).

Die anschließenden drei Monaten werden zusammen mit Hörenden durchgeführt. Dabei werden die gelernten Hörtaktiken im praktischen Umgang mit den Hörenden eingeübt und getestet. Dazu kann auch der Einsatz von Schriftdolmetschern, lautsprachbegleitenden Gebärden und technischen Hilfen gehören. In dieser Phase wird in der Regel gleichzeitig berufliches Grundwissen gelernt.

Bei Bedarf erhalten die Teilnehmer Unterstützung durch

  • Sprachpflege (Logopädie)
  • Audiotherapie
  • Kommunikationstraining
  • Training zur Steigerung der Konzentrations- und Belastungsfähigkeit
  • Psychologische Begleitung zur Behinderungsbewältigung

 

Wie geht es danach weiter?

Nach der hörtechnischen Grundqualifizierung erfolgt, je nachdem, was vorher entschieden wurde, entweder eine direkte Wiedereingliederungsmaßnahme, eine Berufsausbildung, eine kürzere Individualmaßnahme oder eine Teilqualifizierung.