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Individuelle betriebliche Qualifizierung im Rahmen Unterstützter Beschäftigung / InBeQ

Foto mit Auzubi und Ausbilder in einer Werkstatt
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(kn/na) Unterstützte Beschäftigung ist ein Konzept, das Menschen mit Behinderung die Chance geben soll, auch ohne Berufsabschluss Zugang zum allgemeinen Arbeitsmarkt zu bekommen.

Zielgruppe sind Menschen, für die eine Berufsausbildung wegen der Art ihrer Behinderung nicht in Frage kommt, bei denen aber mit besonderer Unterstützung eine Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt gelingen kann.

Zum Konzept gehört, dass die Teilnehmerin bzw. der Teilnehmer mit Hilfe anderer

  1. eine Zukunftsplanung macht, persönliche Fähigkeiten und Berufsneigungen herausfindet,
  2. einen geeigneten Betrieb findet,
  3. mit Begleitung einer Arbeitstrainerin oder eines Arbeitstrainers  (Job-Coach) Tätigkeiten erprobt und einen passenden Arbeitsbereich findet,
  4. sich dort einarbeitet und qualifiziert,
  5. das Arbeitsverhältnis stabilisiert.


Die Punkte 3 bis 5 zusammen nennt man Individuelle betrieblichen Qualifizierung (InBeQ). Ist ein Arbeitsplatz gefunden, erhalten der Mensch mit Behinderung und sein Arbeitgeber bzw. seine Arbeitgeberin je nach Bedarf solange Unterstützung, bis das Arbeitsverhältnis sicher ist. Das nennt man Berufsbegleitung.

Ziel der Individuellen betrieblichen Qualifizierung (InBeQ)

Ziel der InBeQ ist es, den Menschen mit Behinderung so lange am Arbeitsplatz einzuarbeiten und zu unterstützen, bis er seine Arbeitsaufgaben selbständig erledigen kann. Es soll erreicht werden, dass ein Arbeitsvertrag und damit eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zustande kommt.

Wie erhält man eine Individuelle betriebliche Qualifizierung?

Viele bunte Fragezeichen
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Unterstützte Beschäftigung und Individuelle betriebliche Qualifizierung sind kein Ersatz für Berufsausbildungen oder berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen. Diese haben bei der Gesetzgebung immer Vorrang, wenn es um Bewilligung und Förderung geht. Das Angebot richtet sich nur an Jugendliche und Erwachsene, die wegen einer Behinderung besondere Unterstützung brauchen und deshalb keine Aus- bzw. Weiterbildung machen können.

Bei wem man die Unterstützte Beschäftigung beantragen muss, wer also der sogenannte Rehaträger ist, hängt von der jeweiligen Lebenssituation des Antragstellerin bzw. des Antragstellers ab. Bei Schulabgängerinnen und Schulabgängern ist es normalerweise die Arbeitsagentur. Der Rehaträger beauftragt dann besondere Einrichtungen oder Anbieter, die eine Individuelle betriebliche Qualifizierung durchführen.

Einrichtungen, die InBeQ anbieten, findet man rechts oben in der Infobox "Schnell finden". Viele dieser Anbieter gehören zu den sogenannten ambulanten und wohnortnahen Einrichtungen. Das heißt, ihre Angebote richten sich an Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die zuhause oder in der Nähe ihres Wohnortes wohnen bleiben möchten.

Was macht man bei der InBeQ?

Azubi mit Punkfrisur
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Die individuelle betriebliche Qualifizierung dauert bis zu 24 Monate und kann in Einzelfällen um maximal 12 Monate verlängert werden. Sie gliedert sich in drei Phasen:

  • Einstiegsphase

Suche im Betrieb nach geeigneten Tätigkeitsbereichen und betriebliche Erprobung

  • Qualifizierungsphase

Unterstützte Einarbeitung im geeigneten Tätigkeitsbereich mit Hilfe einer Arbeitstrainerin bzw. eines Arbeitstrainers (Job-Coach) und Qualifizierung

  • Stabilisierungsphase

Sich einarbeiten in den betrieblichen Alltag mit dem Ziel einen Arbeitsvertrag zu erhalten

Zur Qualifizierung gehören auch Lerninhalte, die über die berufliche Tätigkeit hinausgehen sowie soziale Fähigkeiten und die Weiterentwicklung der Persönlichkeit. Vermittelt werden solche Inhalte außerhalb des Betriebes bei einem Bildungsträger.

Berufsbegleitung

Ist nach dem Abschluss des Arbeitsvertrages weiter Unterstützung für den Menschen mit Behinderung und des Arbeitgebers bzw. der Arbeitgeberin nötig, geschieht dies in Form der Berufsbegleitung. Bei Bedarf kommt eine Arbeitstrainerin bzw. ein Arbeitstrainer (Job-Coach) in den Betrieb und hilft dabei Probleme zu lösen und das Beschäftigungsverhältnis zu stabilisieren.

Für die Beantragung und Kostenübernahme der Berufsbegleitung sind im Regelfall die Integrationsämter zuständig. Diese beauftragen dann Integrationsfachdienste und andere Institutionen, die sich auf Berufsbegleitung spezialisiert haben. Bei einer Beauftragung durch die Integrationsämter ist eine anerkannte Schwerbehinderung bzw. eine Gleichstellung nach § 2 SGB IX erforderlich.

Die Dauer der Berufsbegleitung richtet sich nach den jeweiligen Bedürfnissen des Menschen mit Behinderung. Es gibt keine zeitliche Begrenzung.

Beispiele aus der Praxis

Stilisiertes Männchen mit roter Arbeitermütze, Schraubenschlüssel und rotem Werkzeugkoffer
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Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat ein Handbuch mit 67 Beispielen aus der Praxis herausgebracht. Alle vorgestellten Personen wurden nach dem Konzept „Unterstützte Beschäftigung“ von professionellen Fachkräften begleitet und so in Betriebe integriert. Hier kann man das Handbuch herunterladen: Ich habe meinen Arbeitsplatz gefunden, BMAS 2010

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Unterstützte Beschäftigung (BAG UB) bietet ebenfalls Filme an. Die Filme zeigen, wie die individuelle Qualifizierung im Betrieb - insbesondere das Job Coaching - in der Praxis umgesetzt wird. Sie sind für Betriebe und andere Interessierte (z. B. Lehrerinnen und Lehrer, Menschen mit Behinderung und ihre Angehörige sowie Organisationen der Rehabilitation) geeignet, die sich neben der notwendigen grundsätzlichen Information über die Maßnahme „Unterstützte Beschäftigung" auch einen praxisnahen Einblick in den Ablauf der betrieblichen Qualifizierung verschaffen wollen: Filme zur Unterstützten Beschäftigung