Sprungnavigation Tastaturkurzbefehle

Suche und Service

Inhalt

Praxisbeispiel Fachärztin mit Cochlea Implantat in einem Klinikum

Wo lag die Herausforderung?

Die Fachärztin ist von Geburt an gehörlos. Eine mündliche Kommunikation mit ihr ist auf kurzer Distanz mit Hilfe ihrer Cochlea Implantate, in Verbindung mit dem Lippenablesen, gut möglich. Bei Telefonaten und Gesprächen mit räumlich weiter entfernten Personen ist dies nicht der Fall. Das Finden eines Jobs und die Kommunikation gestalteten sich daher schwierig.

Was wurde gemacht?

Beim Krankenhaus fand die Ärztin eine Stelle, da hier bereits eine Kollegin mit Hörschädigung arbeitete und entsprechend positive Erfahrungen vorlagen.
Zum Ausgleich der Kommunikationseinschränkungen nutzt die Fachärztin eine Arbeitsassistenz zum Telefonieren und einen Online-Dienst zum Schriftsprachendolmetschen für Besprechungen. Außerdem nutzt sie zur Untersuchung der Patientinnen und Patienten ein spezielles elektronisches Stethoskop in Verbindung mit Kopfhörern, um auffällige Geräusche verstärkt und gefiltert wahrnehmen zu können.

Schlagworte und weitere Informationen

Die Versorgung mit den Cochlea Implantaten wurde von der Krankenkasse finanziert. Das Integrations- beziehungsweise Inklusionsamt förderte das Spezialstethoskop und fördert den Einsatz von Schriftsprachdolmetschenden. Geholfen hat der Ärztin auch die Einschaltung des Sozialverbands VdK sowie die persönliche Einarbeitung in die Materie mittels Büchern des Walhalla-Verlags.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Telefon-Nummern der Integrations- beziehungsweise Inklusionsämter und von Diensten zum Ferndolmetschen.

Unternehmen:

Es handelt sich um ein Krankenhaus, das zu einem Gesundheitskonzern gehört. Neben Krankenhäusern gehören auch noch Rehakliniken, Pflegeheime und Praxen zum Gesundheitskonzern.

Kommentar des Vorgesetzten:

Der Chefarzt der Klinik lobt die fachliche Kompetenz, das Talent und Geschick der Fachärztin. Das von ihr gezeigte Engagement sei bewundernswert und man wolle ihr auch weiterhin Entwicklungsmöglichkeiten bieten.

Behinderung und Beeinträchtigung der Mitarbeiterin:

Die Ärztin ist von Geburt an gehörlos. Akustische Informationen können nicht vom Ohr wahrgenommen und an den intakten Hörnerv sowie ins Sprachzentrum übertragen werden. Seit einigen Jahren wird sie deshalb beidseitig mit Cochlea Implantaten versorgt. Das Implantat übernimmt die Aufgabe, akustische Reize in ein elektrisches Signal für den Hörnerv umzuwandeln. Das Hörvermögen ist hierdurch aber bei ihr nicht komplett wiederhergestellt. In Gesprächen auf kurze Distanz mit unterstützendem Lippenlesen funktioniert die Kommunikation gut, während bei größerer Distanz zum Gegenüber das akustische Verstehen erheblich schlechter ist. Der GdB (Grad der Behinderung) beträgt 100.

Ausbildung und Beruf:

Die Frau studierte Medizin. Das Studium bewältigte sie mit Hilfe von gebärdensprachdolmetschenden Personen. Der Übergang in den Arbeitsmarkt gestaltete sich aufgrund unterschiedlicher behördlicher Auffassungen bezüglich Arbeitsplatzgestaltung und Arbeitsassistenz allerdings schwierig. Mit der Stelle beim jetzigen Unternehmen klappte es vor allem auch deshalb, weil hier bereits eine Kollegin mit Hörschädigung tätig war und ein guter Kontakt zum zuständigen Integrations- beziehungsweise Inklusionsamt bestand. Vor allem die rasche und unkomplizierte Bearbeitung von Anträgen wirkte beim Stellenantritt unterstützend.

Arbeitsplatz und Arbeitsorganisation:

Die Frau ist als Fachärztin für Innere Medizin an dem Klinikum tätig. Zu ihren Aufgaben gehört die ambulante, stationäre und notärztliche Behandlung von Patientinnen und Patienten. Das Spektrum reicht hierbei von medizinischer Routine bis zu intensivmedizinischer Versorgung. Die Arbeitszeiten variieren stark und enthalten Nacht-, Spät- und Wochenenddienste.
Bei Nacht- und Wochenenddiensten steht der Fachärztin eine Arbeitsassistenz zur Verfügung, welche ihr alle Telefonate abnimmt. Die Arbeitsassistenz wird von Medizinstudierenden im klinischen Semester ausgeführt.
Bei der Untersuchung von Patientinnen und Patienten nutzt sie ein spezielles elektronisches Stethoskop, welches per Anschluss mit Kopfhörern verbunden werden kann und zusätzliche Audioverstärkung und Filtereinstellungen ermöglicht (siehe Bild).

Während die direkte Kommunikation mit Patientinnen und Patienten problemlos möglich ist, versteht die Fachärztin bei Besprechungen des Klinikpersonals aufgrund der erhöhten Gesprächsdistanz nur wenig. Nach längerem Antragsverfahren wurde ihr hierzu eine Unterstützung durch Schriftsprachdolmetschende eines Online-Dienstes (VerbaVoice) genehmigt. Hierbei wird von einem Mikrofon die Besprechung akustisch mit Hilfe eines Computers oder mobilen Endgerätes online über das Internet an die Plattform des Dienstes bzw. an eine dort beschäftigte dolmetschende Person übertragen, welche das Gehörte verschriftlicht. Der getippte Text wird dann in Echtzeit auf einen Laptop oder ein anderes mobiles Gerät übertragen, wo die Ärztin ihn ablesen kann.
Durch die Unterstützung von Schriftsprachdolmetschenden, kann Sie somit auch in Besprechungen alles verstehen.

Kommentar der Mitarbeiterin:

Die Ärztin habe in vielen Fachgebieten Erfahrungen sammeln können. Die Unterstützung durch die Arbeitsassistenz zur Bewältigung von Telefonaten helfe sehr und das zuständige Integrations- beziehungsweise Inklusionsamt leiste hervorragende Betreuungsarbeit. Sie habe nicht das Gefühl, dass ihre Behinderung ihr bei der Ausführung ihrer Arbeit jemals im Weg gestanden habe - nur auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen gestaltete sich leider schwierig. Obwohl das Unternehmen an einer Einstellung interessiert gewesen sei, wurde die Ärztin zunächst vom ärztlichen Dienst der Arbeitsagentur für berufsunfähig für den klinischen Bereich erklärt. Damit entfiel die rechtliche Grundlage für die Förderung einer behindertengerechten Arbeitsplatzanpassung und der Arbeitsplatz ging verloren. Nur durch ein Sozialgerichtsverfahren konnte die vermeintliche Beurteilung der Berufsunfähigkeit zurückgenommen werden.
Problematisch sei auch, dass die Behörden uneinheitlich agierten, Antragsverfahren sehr lange dauerten und wirtschaftliche Interessen im Vordergrund stünden.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • ERGOS - Hören
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Gestik/Mimik
  • IMBA - Hören

Referenznummer:

Pb/111041


Informationsstand: 13.06.2022