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Behinderung und Beruf - Ihre Berufswahl

blauer Balken mit Kompass

Grundsätzlich stehen Jugendlichen mit und ohne Behinderungen die gleichen Ausbildungswege offen. Einschränkungen können sich aber aus den Auswirkungen der Behinderung ergeben.

Daher ist es wichtig die Anforderungen eines Wunschberufes genau anzuschauen und mit den Fähigkeiten zu  vergleichen. Bei progressiv fortschreitenden Erkrankungen sollte dabei nicht nur die derzeitige Situation bedacht werden, sondern auch mögliche zukünftige Einschränkungen. Gibt es Tätigkeiten, die Sie nicht ausführen können? Gibt es Hilfsmittel oder andere Möglichkeiten der Arbeits(platz)anpassung, die diese Einschränkungen ausgleichen? Oder sollte lieber direkt ein ähnlicher Beruf aus dem Wunschbereich gewählt werden, dessen Anforderungen besser geeignet sind? Im Internet gibt es spezielle Portale, über die Sie die große Palette der Berufe kennenlernen können.

Für Jugendliche mit Behinderungen, für die eine Regelausbildung (noch) nicht in Frage kommt, gibt es Ausbildungen mit besonderen Regelungen. Bei diesen Erstausbildungen nach
§ 66 BBiG/§ 42r HWO, kurz auch als Fachpraktiker-Ausbildungen bezeichnet, werden die besonderen Bedürfnisse der Jugendlichen berücksichtigt. Sie können in Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarktes oder in speziellen Ausbildungsstätten wie zum Beispiel in Berufsbildungswerken erlernt werden. Durch eine Ausbildungsverlängerung kann bei diesen Berufen ein höher qualifizierter Berufsabschluss erlangt werden.

Informationen zu den Fachpraktiker-Berufen und Ausbildungen

Auch zu kompliziert formulierte Texte können ein Hindernis bei der Suche nach dem richtigen Beruf sein. Nicht nur Schülerinnen und Schüler mit Beeinträchtigung, sondern auch Menschen mit Sprachproblemen können Texte in einfacher Sprache besser verstehen. Die unkomplizierten Berufsbeschreibungen in einfacher Sprache richten sich somit an alle Jugendlichen, die keine komplizierten Texte lesen möchten oder können.

Das Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte (LBZH) in Hildesheim und das Berufsbildungswerk München haben eine Reihe von Berufen in einfacher Sprache beschrieben, die alle in den beiden Ausbildungseinrichtungen erlernt werden können. Bei Berufe-einfach-erklärt werden Berufe in Filmen unkompliziert erläutert.

Berufsbildungswerke (BBW) bieten Berufsausbildungen speziell für Jugendliche mit Beeinträchtigung an. Die Ausstattungen der Ausbildungsstätten und die Ausbildungsmöglichkeiten entsprechen den besonderen Bedürfnissen von Jugendlichen mit Unterstützungsbedarf. Die Berufsbildungswerke bieten Ausbildungen in über 240 Berufen an. Alle Berufe, die hier erlernt werden können, sind staatlich anerkannt, das heißt, nach der Ausbildung kann man sich überall bewerben und den Beruf auf dem ersten Arbeitsmarkt ausüben.

Wer mehr über eine Ausbildung in einem BBW erfahren möchte, kann sich bei YouTube Filme über die verschiedenen Berufsbildungswerke anschauen. Hier werden nicht nur die verschiedenen Bildungseinrichtungen vorgestellt, sondern auch die Ausbildungsberufe.

Sie sind an einer Ausbildung in einem BBW interessiert? Dann können Sie über die Anbietersuche der Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke nach der für Sie passenden Bildungseinrichtung mit dem passenden Berufsausbildungsprogramm suchen.

KURSNET ist ein Angebot der Arbeitsagentur für die Suche nach Bildungsangeboten. In diesem Portal können Sie auch nach speziellen Bildungsmaßnahmen im Bereich der Rehabilitation suchen. Das sind beispielsweise Maßnahmen zur Arbeitserprobung, Berufsvorbereitung, Grundrehabilitation und Berufsausbildung. Das Portal informiert, welche Bildungsmaßnahmen angeboten werden und welche Ausbildungseinrichtungen die verschiedenen Rehabilitationsmaßnahmen anbieten. Wenn Sie sich für eine bestimmte Maßnahme interessieren, kann Ihnen das Reha-Team Ihrer Arbeitsagentur weiterhelfen.

Für künstlerisch begabte Menschen mit einer Behinderung ist es besonders schwer, sich auf dem ersten Arbeitsmarkt beruflich zu verwirklichen. Qualifizierungen oder gar Ausbildungsgänge, bei denen die besonderen Bedürfnisse berücksichtigt werden, sind noch sehr selten.

Einige Werkstätten für behinderte Menschen bieten Qualifizierungen und Arbeitsplätze im künstlerischen Bereich für schwerbehinderte Menschen mit Begabung an. Auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt gibt es bisher jedoch nur sehr begrenzte Möglichkeiten.

Die nachfolgend aufgelisteten Organisationen wollen dies ändern und engagieren sich für die Qualifizierung und Beschäftigung von künstlerisch begabten Menschen mit Behinderungen.

EUCREA will mit seinem Programm ARTplus gemeinsam mit 25 Organisationen in Niedersachsen, Hamburg, NRW und Bremen in einem dreijährigen Programmzeitraum die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen an künstlerischen Ausbildungsinstitutionen erproben. ARTplus wendet sich mit seinem Programm an Personen mit psychischen, physischen, Lern- oder Sinnesbehinderungen und konnte schon jetzt viele namenhafte Ausbildungsinstitutionen in allen künstlerischen Sparten gewinnen.

Projekt Berufung Musiker: In diesem bundesweit einzigartigen Ausbildungsprojekt erlernen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Lebenshilfe Werkstätten auf Außenarbeitsplätzen bei der Musikschule in Fürth ein Instrument zu spielen, Noten zu lesen und gemeinsam in einer Band Musik zu machen. Die Musiker und Musikerinnen erhalten zudem eine musikalische Grundausbildung. Langfristiges Ziel ist es, einen Teil des Lebensunterhalts mit der Musik bestreiten zu können.

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